Wissensmanagement
Systematische Erfassung, Organisation und Weitergabe von Wissen in einer Organisation zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.
Wissensmanagement umfasst alle Maßnahmen, die darauf abzielen, das in einer Organisation vorhandene Wissen systematisch zu erfassen, zu teilen und für die Wertschöpfung nutzbar zu machen. Es ist eine Disziplin an der Schnittstelle von Personalentwicklung, Prozessmanagement und Informationsmanagement.
Explizites vs. implizites Wissen
- Explizites Wissen: Dokumentiertes Wissen in Handbüchern, Datenbanken, Prozessbeschreibungen – kann leicht geteilt und übertragen werden
- Implizites Wissen (Tacit Knowledge): Erfahrungswissen, das in den Köpfen der Mitarbeitenden steckt – schwer zu formalisieren, nur begrenzt übertragbar
Ikujiro Nonaka beschreibt vier Modi der Wissenskonversion: Sozialisation (implizit zu implizit), Externalisierung (implizit zu explizit), Kombination (explizit zu explizit) und Internalisierung (explizit zu implizit). Die Externalisierung – also das Sichtbarmachen von Erfahrungswissen – ist dabei die schwierigste und wertvollste.
Bausteine des Wissensmanagements nach Probst
- Wissensziele: Was muss die Organisation wissen?
- Wissensidentifikation: Welches Wissen existiert bereits, intern und extern?
- Wissenserwerb: Wie wird fehlendes Wissen beschafft?
- Wissensentwicklung: Wie entsteht neues Wissen?
- Wissensverteilung: Wie wird Wissen zugänglich gemacht?
- Wissensnutzung: Wie wird Wissen produktiv eingesetzt?
- Wissensbewahrung: Wie wird Wissensverlust verhindert?
- Wissensbewertung: Wie wird der Erfolg des Wissensmanagements gemessen?
Wissenstransfer in der Praxis
Communities of Practice, strukturierte Lessons-Learned-Prozesse, Mentoring-Programme, Job-Shadowing und Tandem-Modelle sind bewährte Formate für den Transfer von implizitem Wissen. Digitale Plattformen (Wikis, Intranet, kollaborative Tools) unterstützen die Erfassung und Verteilung von explizitem Wissen.
Wissensmanagement und Digitalisierung
KI-gestützte Suche, automatische Verschlagwortung und Empfehlungssysteme verbessern die Zugänglichkeit von Wissen. Die eigentliche Herausforderung bleibt menschlich: Wissen wird nur geteilt, wenn eine offene Kultur existiert und Teilen als Stärke gilt.