Starke und schwache Kreativität im Arbeitsalltag

Echte Geniestreiche sind im Arbeitsalltag selten, doch meist genügt ohnehin schwache Kreativität. Erfahren Sie im SI-Blog, was den Unterschied ausmacht.

Starke und schwache Kreativität im Arbeitsalltag

Kreativität, die unbekannte Kompetenz. Zwar redet man ständig darüber, und auch im Arbeitsalltag heißt es oft, dass man „da halt mal kreativ werden muss”. Aber was bedeutet das eigentlich ganz konkret: Was meinen wir, wenn wir von Kreativität sprechen? Eine persönliche Eigenschaft, eine erlernbare Fähigkeit oder doch irgendetwas dazwischen?

Wir zeigen es Ihnen. Für diesen Artikel haben sich die Expert:innen von SEMINAR-INSTITUT den Begriff der Kreativität sowie die dahinterstehenden Kompetenzen ein wenig genauer angeschaut. Erfahren Sie hier, wie sich Kreativität definieren lässt, warum es sich lohnt, zwischen starker und schwacher Kreativität zu unterscheiden, und wie diese beiden Spielarten im Arbeitsalltag zum Einsatz kommen können.

Team sitzt um einen Whiteboard-Tisch mit bunten Haftnotizen und skizzierten Ideen beim gemeinsamen Brainstorming Schwache Kreativität ist kein Manko – sie ist die verlässlichere, planbarere Form des kreativen Denkens im Arbeitsalltag.

Was bedeutet Kreativität? Ein Definitionsversuch

Kreativität lässt sich als die Fähigkeit beschreiben, neue und im weitesten Sinne nützliche Ideen zu entwickeln. Diese Ideen können in verschiedenen Formen auftreten, sei es als innovative Produkte, unkonventionelle Problemlösungen oder originelle Kunstwerke. Für die generell positive Konnotation von „Kreativität” ist wesentlich, dass sie sowohl neue als auch brauchbare Ergebnisse hervorbringt: Kreativität schafft einen Mehrwert.

Teresa Amabile, Psychologieprofessorin an der Harvard Business School, definiert Kreativität daher als „the production of ideas or outcomes that are both novel and appropriate”, also als „die Produktion von Ideen oder Ergebnissen, die sowohl neu als auch angemessen sind”.[1] Denken wir einen Schritt weiter, bedeutet das: Ideenreichtum wird erst dann zu Kreativität, wenn er nicht nur Logik, sondern auch die Realität berücksichtigt.

In der Alltagssprache wird Kreativität oft mit dem Bild des einsamen Genies verbunden, das plötzlich eine bahnbrechende Idee hat. Ein berühmtes Beispiel dafür ist Isaac Newton, dem ein Apfel auf den Kopf fällt, woraufhin er seine Theorie der Gravitation entwickelt.

Klischees wie dieses sind uns durch die Kunst- und Kulturgeschichte sehr vertraut. Vor 200 Jahren pflegte die Romantik in Europa einen regelrechten Genie-Kult, der bis in unsere Zeit ausstrahlt. Doch Kreativität, nüchterner betrachtet und psychologisch untersucht, ist kein Alles-oder-Nichts-Phänomen: Sie ist vielseitig, kontextabhängig und lässt sich daher in verschiedene Kategorien einteilen, unter anderem in starke und schwache Kreativität.

Starke Kreativität und schwache Kreativität

Starke Kreativität ist das, was wir oft mit bahnbrechenden Erfindungen oder revolutionären Ideen assoziieren. Auf den ersten Blick scheint es sich um plötzliche Erleuchtungen zu handeln, die etwas völlig Neues und Unerwartetes hervorbringen. Klassische Beispiele wären die Erfindung des Internets oder die Entdeckung der Relativitätstheorie. Genauer betrachtet basiert diese Form der Kreativität vielmehr auf tiefem Wissen, intensiver Vorbereitung, hartnäckiger Arbeit und einem Quäntchen Glück.

Schwache Kreativität ist demgegenüber ein alltägliches Phänomen, das schrittweise Anpassungen und Verbesserungen ermöglicht. Sie zeigt sich in der Fähigkeit, vorhandene Konzepte so zu kombinieren oder abzuändern, dass ihre Anwendung effektiver oder effizienter wird. Ein Beispiel hierfür wäre das Optimieren eines bestehenden Workflows oder das kreative Anpassen einer Marketingstrategie, um eine spezifische Zielgruppe besser anzusprechen. Ein digitalisierter Prozess hier, eine clevere Bild-Text-Kombination da, und schon entsteht etwas, das zwar nicht radikal neu ist, dafür aber eine Verbesserung gegenüber dem bisherigen Zustand bedeutet.

Starke Kreativität ist, statistisch ausgedrückt, sehr rechtsschief verteilt: Extrem wenige Personen sind extrem kreativ in diesem starken Sinne. Schwache Kreativität tritt hingegen weitaus häufiger auf und ist uns auch zugänglicher. Sie basiert auf methodischem und strukturiertem Denken und lässt sich überdies trainieren. Sir Ken Robinson beschreibt diese Art der Kreativität als „something that we all can use every day”, als eine Kompetenz, „die jeder von uns jeden Tag benutzen kann”.[2] Und das ist auch gut so, denn wenn im Arbeitsalltag der Satz „wir müssen mal kreativ werden” fällt, ist fast immer schwache Kreativität gefragt.

Person betrachtet nachdenklich einen Prozessablauf auf dem Laptop-Bildschirm und macht handschriftliche Notizen daneben Laterales Denken lässt sich trainieren: Bestehende Workflows aus neuen Blickwinkeln zu betrachten ist schwache Kreativität in Aktion.

Geniestreich oder laterales Denken? Kreativität im Arbeitsalltag

Wie lässt sich Kreativität gezielt einsetzen, um ein Problem zu lösen? Stellen wir uns vor, dass der Marktanteil eines Produkts unserer Firma sinkt. Hier könnte man auf starke Kreativität setzen und hoffen, dass jemand im Team die revolutionäre Idee hat, die das Produkt grundlegend verändert. Das einzige Problem dabei? Solche Geniestreiche sind selten und nicht zuverlässig planbar.

Alternativ könnten wir uns auf schwache Kreativität und laterales Denken konzentrieren. Das bedeutet, das Problem aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und kleinere, dafür aber besser planbare Veränderungen vorzunehmen. Schwache Kreativität könnte etwa bedeuten, neue oder zielgenauere Marktanalysen durchzuführen und die Marketingstrategie an deren Ergebnisse anzupassen. Sie könnte aber auch darin bestehen, dass wir andere Abteilungen in den Prozess einbeziehen als bisher. Außerdem könnten wir produktseitige Optimierungen ins Auge fassen. All diese Ansätze sind weniger spektakulär, aber oft wirkungsvoll. Vor allem sind sie reproduzierbar.

Laterales Denken als eine der Grundvoraussetzungen für den zuverlässigen Einsatz schwacher Kreativität kann erlernt und trainiert werden. Allerdings hängt das Ausmaß, in dem wir schwache Kreativität anwenden können, zugleich von Intelligenz, Persönlichkeitseigenschaften und der Fähigkeit zum divergenten Denken ab. In einem gut zusammengestellten Team ermöglicht gezielt geförderte schwache Kreativität es, Produkte kontinuierlich zu verbessern und auf unvorhergesehene Herausforderungen flexibel zu reagieren.

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[1] Amabile, T. M. (1996): Creativity in Context. Westview Press.

[2] Robinson, K. (2011, New and Updated Edition). Out of Our Minds: Learning to be Creative. Capstone Ltd.

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