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Laterale Führung

Führung ohne disziplinarische Weisungsbefugnis: Einflussnahme durch Expertise, Vertrauen und Überzeugungskraft.

Laterale Führung bezeichnet die Fähigkeit, Menschen zu führen, ohne über formale Weisungsbefugnis zu verfügen. Sie gewinnt in Projektteams, Matrixorganisationen und bereichsübergreifenden Initiativen zunehmend an Bedeutung und ist für viele Fach- und Führungskräfte zur alltäglichen Anforderung geworden.

Drei Säulen lateraler Führung

Das Modell von Stefan Kühl und Tobias Schnelle beschreibt drei Wirkmechanismen:

  1. Verständigung: Gemeinsame Ziele und Interessen herausarbeiten, Erwartungen transparent machen, Missverständnisse früh klären
  2. Vertrauen: Verlässlichkeit aufbauen, gegenseitige Erwartungen klären, konsistentes Verhalten über Zeit
  3. Macht: Informelle Einflussmöglichkeiten gezielt einsetzen: Expertise, Netzwerk, Informationsvorsprünge

Alle drei Säulen sind notwendig. Wer nur auf Vertrauen setzt, verliert bei Interessenskonflikten. Wer nur auf Macht setzt, schafft Widerstand.

Typische Einsatzfelder

Projektleiter:innen, die Teammitglieder aus verschiedenen Abteilungen koordinieren, sind das klassische Beispiel für laterale Führung. Ebenso relevant ist die Kompetenz für:

  • Expert:innen, die fachliche Standards in der gesamten Organisation etablieren
  • Stabsstellen, die Linieneinheiten begleiten
  • Interne Berater:innen und Change-Manager:innen
  • Führungskräfte in Matrixorganisationen mit geteilter Führungsverantwortung

Schlüsselkompetenzen

Wer lateral führt, braucht ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, Verhandlungsgeschick und die Fähigkeit, Netzwerke aufzubauen. Fachliche Kompetenz und persönliche Glaubwürdigkeit ersetzen die fehlende hierarchische Autorität.

Ebenso wichtig ist ein gutes Gespür für Interessen: Wer versteht, was andere bewegt und wie die eigene Anfrage in deren Ziele passt, findet einfacher Kooperationsbereitschaft als jemand, der nur das eigene Projekt im Blick hat.

Laterale Führung und klassische Führung

Laterale Führung erfordert mehr Investition in Beziehungen und Kommunikation als klassische Führung. Sie ist langsamer, dafür aber nachhaltiger: Lösungen, die gemeinsam erarbeitet werden, tragen die Beteiligten mit. Lösungen, die von oben durchgesetzt werden, oft nicht.

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