Digitalisierung 2026: Drei Hindernisse, drei Chancen

Viele Fach- und Führungskräfte starten mit einem ambivalenten Eindruck ins neue Jahr. Einerseits sind digitale Tools, Cloud-Anwendungen und KI-gestützte Systeme für die meisten von uns längst im Arbeitsalltag angekommen. Andererseits berichten aber nach wie vor zahlreiche Unternehmen, dass zentrale Digitalisierungsprojekte langsamer vorankommen als geplant, dass Prozesse komplizierter statt schlanker werden und dass Rechtsunsicherheit wichtige Entscheidungen verzögern.

 

Digitalisierung in deutschen Unternehmen scheint Normalität und Dauerbaustelle zugleich.

 

Dieses Spannungsfeld spiegelte sich auch in der DIHK-Digitalisierungsumfrage 2025,[1] deren Titel – Digitalisierung in Deutschland: Zwischen Effizienz und Bürokratie – die Pole klar benennt. Die Studie zeichnet das Bild einer Wirtschaft, die Digitalisierung weiter vorantreibt, sie jedoch überwiegend als Instrument zur Effizienzsteigerung nutzt und weniger als strategischen Hebel für umfassende Transformation. Ergänzend zeigt der Deutschland-Index der Digitalisierung 2025,[2] erarbeitet vom Kompetenzzentrum Öffentliche IT, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung zwar weiterhin signifikante Fortschritte macht, diese aber ungleich verteilt sind: Während Infrastruktur und Netzausbau zulegen, bleiben Verwaltung, Nutzung und organisationale Reife hinter den Erwartungen zurück.

 

Für Fach- und Führungskräfte ist diese Gemengelage keine abstrakte Statistik. Sie beschreibt die operative Realität vieler Unternehmen. Digitalisierung findet statt, stößt aber an strukturelle Grenzen, die weniger technologischer als organisatorischer, rechtlicher und kultureller Natur sind. Werden diese Hindernisse jedoch strategisch gelesen, können darin auch Chancen liegen. Die Experten von SEMINAR-INSTITUT zeigen Ihnen, welche.

 

1. Digitalisierung als Alltagsinstrument: Fehlende strategische Grundlagen

Die bereits erwähnte DIHK-Umfrage zeigt, wie Unternehmen Digitalisierung wahrnehmen und einsetzen. In der offiziellen Zusammenfassung heißt es dazu: „Die Betriebe nehmen die Digitalisierung bislang weniger als Innovationsmotor wahr, sondern als Hilfsinstrument für das Tagesgeschäft.“[3] Insbesondere Führungskräfte dürfte dieses Ungleichgewicht interessieren. Digitalisierung wird in vielen Organisationen primär operativ gedacht: Prozesse werden digitalisiert, um Effizienz zu steigern, Kosten zu senken oder Qualitätsprobleme zu lösen. Das ist betriebswirtschaftlich sinnvoll, führt jedoch häufig dazu, dass die Rolle der Digitalisierung auf kurzfristige Optimierung reduziert wird. Zum Problem wird diese Logik dort, wo der strategische Überbau fehlt. Wenn digitale Projekte lediglich Reaktionen auf operative Engpässe sind, entstehen Insellösungen, unübersichtliche Systemlandschaften – kurz: unnötige Komplexität. Digitalisierung ist dann keine Transformation, sondern bloß fortlaufende Anpassung bereits bestehender Strukturen.

 

Hinzu kommt ein struktureller Flaschenhals, den die DIHK-Umfrage aufzeigt. Als größte Herausforderungen nennen die befragten Unternehmen hier „fehlende Zeit (60 Prozent), zu hohe Komplexität (54 Prozent) und finanziellen Aufwand (42 Prozent).“[4] Für Führungskräfte bedeutet das, dass die digitale Transformation im Unternehmen permanent mit dem eigentlichen Tagesgeschäft konkurriert. Ohne klare Priorisierung auf Führungsebene verkommt sie dadurch schlimmstenfalls zum Nebenprojekt mit begrenzter strategischer Wirkung.

 

Gerade hier liegt die erste große Chance für 2026: Unternehmen, die Digitalisierung ganz bewusst nicht als reines IT- oder Effizienzthema behandeln, sondern als Führungs- und Organisationsaufgabe, schaffen die Voraussetzung dafür, nachhaltig von ihren Vorteilen zu profitieren. Wenn digitale Initiativen klar an Unternehmenszielen, Wertschöpfungsketten und strategischen Zielen ausgerichtet sind, kann aus vielen Einzelmaßnahmen ein konsistentes Transformationsprojekt entstehen.

 

Menschen in einem Großraumbüro

 

2. Recht, Bürokratie und Verwaltung: Strukturelle Bremsklötze

Ein zweites zentrales Hindernis betrifft rechtliche Rahmenbedingungen, Bürokratie und die Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung. „Recht verlangsamt Digitalisierungsaktivitäten“,[5] heißt es in der DIHK-Umfrage. Das verweist auf ein strukturelles Problem, das für viele Unternehmen und deren Belegschaft spürbar ist. Umständliche Genehmigungsverfahren, komplexe Datenschutzauflagen und kleinteilige, oft unübersichtliche Verwaltungsprozesse verlängern Projektlaufzeiten und erzeugen Planungsunsicherheit. Für Führungskräfte bedeutet das nicht nur operative Verzögerungen, sondern auch steigende Anforderungen an internes Risiko- und Entscheidungsmanagement.

 

Der Deutschland-Index der Digitalisierung 2025 ordnet dieses Problem auf volkswirtschaftlicher bzw. staatlicher Ebene ein. Hier gibt es inzwischen zwar deutliche Fortschritte, doch sind diese nicht gleichmäßig verteilt. Besonders stark hat sich die digitale Infrastruktur entwickelt – ihr Indexwert stieg 2025 um 9,8 Punkte.[6] Gleichzeitig macht der Gesamtindex allerdings auch deutlich, dass der digitale Reifegrad der Bundesrepublik insgesamt nur schrittweise wächst. Der Deutschland-Index erreicht 2025 nur einen Wert von 55,9 Punkten – das ist zwar ein Anstieg von 4,4 Punkten gegenüber 2023,[7] lässt aber nach wie vor viel Luft nach oben.

 

Für Unternehmen bedeutet das: Die Rahmenbedingungen verbessern sich, aber langsamer, als es für eine beschleunigte digitale Transformation wünschenswert ist. Daraus ergibt sich eine zweite strategische Chance: Organisationen, die regulatorische Komplexität aktiv managen und interne Kompetenz für Datenschutz, IT-Sicherheit und digitale Governance aufbauen, verschaffen sich einen strukturellen Vorteil gegenüber beträchtlichen Teilen ihrer Konkurrenz.

 

3. Fachkräfte, Kompetenzen und Cybersicherheit: Das menschliche Nadelöhr

Neben Zeit, Komplexität und Bürokratie tauchen in Befragungen immer wieder Fachkräftemangel, Sicherheitsrisiken und fehlende digitale Kompetenzen als Hindernisse für die Digitalisierung in deutschen Unternehmen auf. Die DIHK-Umfrage hebt z. B. in ihren Kernergebnissen die Bedrohungslage durch Cyberangriffe ebenso hervor wie den Mangel an qualifizierten IT-Fachkräften.

 

Für Führungskräfte ist das ein entscheidender Punkt, denn die digitale Transformation scheitert in der Praxis seltener an Software oder Infrastruktur als an fehlender Qualifizierung, unklaren Verantwortlichkeiten und mangelhaftem Change Management.. Gleichzeitig wächst der Druck durch Cyberkriminalität und Industriespionage. Sicherheit wird damit zur Führungsaufgabe, statt nur an die IT-Abteilung delegiert zu werden. Hinzu kommt, dass Fortschritte bei der Infrastruktur nicht automatisch zu höherer digitaler Leistungsfähigkeit von Verwaltung, Organisation und Nutzern führen. Digitale Reife ist also auch eine Frage von Kompetenzen und Führung – nicht nur von Netzen und Technik.

 

Daraus ergibt sich die dritte strategische Chance für 2026: Fachliche Qualifizierung als Hebel für digitale Handlungsfähigkeit. Unternehmen, die Weiterbildung, Führungskräfteentwicklung und digitale Kompetenzmodelle systematisch nutzen, schaffen nicht nur technisches Know-how, sondern auch die Kapazität, transformativen Change umzusetzen.

 

Drei Hindernisse – und warum sie zugleich drei strategische Hebel sind

Zusammen mit aktuellen Daten ergeben DIHK-Umfrage und Deutschland-Index ein konsistentes Bild: Die Digitalisierung in Deutschland scheitert nicht primär an fehlender Technologie, sondern an struktureller Reibung, regulatorischer Komplexität und unzureichender Kompetenzentwicklung. Zeitdruck, Bürokratie und Fachkräftemangel sind reale Hindernisse – markieren aber zugleich die ausschlaggebenden Stellschrauben für 2026. Fach- und Führungskräfte müssen Digitalisierung weniger als eine Frage neuer Tools und mehr als eine Frage von Priorisierung, Fachkräfteentwicklung und Organisationskultur verstehen. Wer Digitalisierung strategisch einbettet, regulatorische Anforderungen aktiv managt und Qualifizierung als Kernaufgabe versteht, verwandelt Hindernisse in handfeste Wettbewerbsvorteile.

 

Wir machen Sie bereit für die digitale Zukunft!

2026 wird für viele Unternehmen kein Jahr des spektakulären technologischen Umbruchs, sondern eines der strukturellen Entscheidungen. Die entscheidende Frage lautet nicht, welche Software eingesetzt wird, sondern wie Digitalisierung geführt und organisiert wird. Führungskräfte sind dabei der zentrale Hebel: Sie setzen Prioritäten, schaffen Klarheit und sorgen dafür, dass digitale Projekte nicht im Tagesgeschäft versanden. Fachkräfte mit Digitalisierungskompetenzen wiederum sind der Schlüssel zum Umsetzungserfolg.

 

Hier setzt das Weiterbildungsangebot von SEMINAR-INSTITUT an: In unserem Themenkreis „KI und Digitalisierung“ finden Sie Seminare, die Digitalisierung nicht als isoliertes IT-Thema behandeln, sondern als strategisches Instrument, das in vielen verschiedenen Kontexten seine transformative Wirkung entfalten kann. So können Sie sich etwa in unserem Seminar „Intelligente Prozessautomatisierung“ der Effizienzsteigerung im Unternehmen widmen oder gemeinsam mit unseren Experten im Seminar „Digitale Geschäftsmodelle entwickeln“ den Grundstein für ein vollkommen neues digitales Business legen. Speziell für Führungskräfte, die Teams und Abteilungen souverän durch die Digitalisierung im Unternehmen führen möchten, bieten wir außerdem das Seminar „Agile Führung in der digitalen Transformation“ an.

 

[1] DIHK (2025). Digitalisierungsumfrage 2025. Digitalisierung in Deutschland. Zwischen Effizienz und Bürokratie. Abgerufen am 12.01.2026 unter https://www.dihk.de/resource/blob/129666/ec88b4d0dbaa6b5c91b86be4c0b7643e/dihk-digitalisierungsumfrage-2025-data.pdf |  [2] Opiela, N., Tiemann, J., Gumz, J. D. & Weber, M. (2025). Deutschland-Index der Digitalisierung 2025. Berlin, Kompetenzzentrum Öffentliche IT. Abgerufen am 12.01.2026 unter https://www.oeffentliche-it.de/publikationen/deutschland-index-der-digitalisierung-2025/Deutschland-Index%20der%20Digitalisierung%202025.pdf | [3] DIHK (2025). Digitalisierungsumfrage 2025. Digitalisierung in Deutschland. Zwischen Effizienz und Bürokratie. Pressemitteilung. Abgerufen am 12.01.2026 unter https://www.dihk.de/dihk-de-legacy/themen-und-positionen/wirtschaft-digital/digitalisierung/digitalisierungsumfrage-25 | [4] DIHK (2025). Digitalisierungsumfrage 2025. Digitalisierung in Deutschland. Zwischen Effizienz und Bürokratie, S. 5. | [5] ebd., S. 3.  | [6] Opiela, N., Tiemann, J., Gumz, J. D. & Weber, M. (2025). Deutschland-Index der Digitalisierung 2025, S. 39. | [7] ebd., S. 43.

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