Der Verlust der Sprache

1.) Ist unsere Sprache noch zu retten?

Im Jahre 2010 fragt der Tagesspiegel ‚Ist unsere Sprache noch zu retten’. Er verweist auf das 1997 publizierte Buch ‚Deutsch und anders’ des deutschen Journalisten Dieter E. Zimmer. Im Fokus steht hier die ‚Invasion’ der englischen Sprache.

 

2.) Es gab eine Zeit

Es gab eine Zeit in der nannte man den Projektor ‚Pojektor’, das Telefon ‚Telefon’ und das Fitnessgerät zu Hause ‚Hometrainer’. Seit der ersten digitalen Welle Anfang der 1990iger Jahre sind diese Zeiten vorbei. Englische haben begonnen den deutschen Wortmarkt zu erobern – und nicht selten führt dies zu einer neuen Sprache der Scheinanglizismen; denn die Worte ‚Beamer’, ‚mobile’ oder ‚hometrainer’ gibt es nicht in der englischen Sprache.

 

3.) Der Geist in der etymologisch-historischen Flasche

Nehmen wir das einfache Wort ‚Mittagstisch’: es impliziert die Zeit (ca. 12Uhr) und es impliziert einen Ort, an dem eben zu Mittag etwas geschieht. Unsichtbar ist das, was geschieht, denn dieses Wissen bleibt dem Kulturinhaber dieser Sprache vorbehalten. Das noch einfachere Wort ‚Lunch’ – so beschreibt es Megan Elias in ‚The History of Lunch’ geht zurück auf die anglo-saxonische Herkunft ‚nuncheon’ (noon-Mittag), und beinhaltet das zu sich nehmen eines belegten Brotes und eines Biers. Wie würden manch deutscher staunen, wenn der Gasthof dies zu Mittag anböte.

 

4.) Arbeitskreis

Kürzlich teilte ich meinem Team mit, dass wir das Meeting, also die Besprechung, verschieben müssten, da ein Kollege zu diesem Zeitpunkt einen Arbeitskreis leiten würde. Kurz darauf schrieb dieser Kollege: „Tut mir leid, ich kann auch nicht kommen, da ich einen Workshop leite.“ Ich lachte laut.

 

5.) Die Bedeutung ändert sich gravierend

Da ich etwa 1/3 meines Lebens im anglo-amerikanischen Raum verbracht habe und international tätig ausschließlich englisch spreche, kenne ich die Bedeutungen der englischen und der deutschen Worte sehr gut. Seither der Sache mit dem ‚Arbeitskreis’ denke ich mehr über den Zusammenhang von etymologischer Herkunft, Bedeutung und Semantik in den unterschiedlichen Sprachen nach. Ich versuche im deutschen Kontext auch nur diese Sprachen zu nutzen – denn wir beim Mittagstisch weiß man beim Arbeitskreis, dass es sich im das gemeinsame arbeiten in einer bestimmten – nicht-hierarchischen Art und Weise – handelt. Dies ist bei einem Workshop unklar. Kürzlich war ich bei einem Weiterbildungsseminar und der Seminarleiter nannte das Format einen Workshop - was durchaus auf eine unklare Definition des Wortes hinweist.

 

Unser Fazit:

Sprache ist ein Gut, was es zu schützen gilt. Sprache ist auch ein sich veränderndes komplexes System. Bevor wir sprechen können wir es uns leisten die Worte genau zu verstehen. Wenn wir dies nicht tun, bestehe die Gefahr von gravierenden Missverständnissen mit unvorhersehbaren Folgen. Oder wollen Sie wirklich im Strahl des (Star Trek) Beamers stehen, wenn Sie den Projektor meinen?

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Die Datenschutzerklärung habe ich zur Kenntnis genommen.
Webentwicklung Bonn | Excellent Websolutions