Führungsstile
Typische Muster im Führungsverhalten, die beschreiben, wie eine Führungskraft mit Mitarbeitenden umgeht und Entscheidungen trifft.
Führungsstile beschreiben das wiederkehrende Muster, nach dem eine Führungskraft ihre Rolle ausgestaltet. Kein Stil ist grundsätzlich besser als ein anderer: Entscheidend ist die Passung zur Situation, zum Team und zur Aufgabe.
Die 3 Führungsstile nach Kurt Lewin
Kurt Lewin untersuchte Ende der 1930er Jahre gemeinsam mit Ronald Lippitt und Ralph K. White, wie sich unterschiedliches Leitungsverhalten auf Gruppen auswirkt. Aus diesen Experimenten mit Freizeitgruppen von Kindern stammen die drei Führungsstile, die bis heute als Referenzrahmen dienen:
- Autoritär: Entscheidungen werden top-down getroffen, Kontrolle dominiert, klare Vorgaben ohne Diskussion
- Kooperativ (auch demokratisch genannt): Team wird in Entscheidungen eingebunden, Eigenverantwortung gefördert
- Laissez-faire: Hohe Eigenverantwortung, minimale Führungsintervention
In den Beobachtungen arbeitete die autoritär geführte Gruppe produktiv, solange die Leitung anwesend war, ließ aber deutlich nach, sobald sie den Raum verließ. Die kooperativ geführte Gruppe zeigte die größte Zufriedenheit und arbeitete auch ohne Aufsicht weiter. Die Laissez-faire-Gruppe schnitt bei Menge und Qualität der Arbeit am schwächsten ab. Viele Autor:innen sehen Laissez-faire deshalb eher als Verzicht auf Führung.
Die Führungsstile nach Lewin im Vergleich
| Führungsstil | Wer entscheidet? | Stärken | Risiken |
|---|---|---|---|
| Autoritär | Die Führungskraft allein | Schnelle Entscheidungen und klare Zuständigkeiten, hilfreich in Krisen | Geringe Eigeninitiative, das Wissen des Teams bleibt ungenutzt |
| Kooperativ | Das Team wirkt mit, die Führungskraft trägt die Verantwortung | Höhere Motivation und Identifikation, bessere Entscheidungen bei komplexen Fragen | Zeitaufwendig, in akuten Lagen zu langsam |
| Laissez-faire | Das Team weitgehend selbst | Freiraum für erfahrene, selbstständige Fachleute | Orientierungslosigkeit und Konflikte, wenn Ziele und Rahmen fehlen |
Wie viele Führungsstile gibt es: 3, 4 oder 5?
Die Zahl hängt vom Modell ab, auf das sich eine Quelle bezieht:
- 3 Führungsstile: das Modell von Lewin mit autoritär, kooperativ und Laissez-faire.
- 4 Führungsstile: das situative Führungsmodell nach Paul Hersey und Ken Blanchard mit Anweisen, Überzeugen, Beteiligen und Delegieren, in Blanchards späterer Fassung Anweisen, Coachen, Unterstützen und Delegieren. In deutschsprachigen Lehrbüchern werden außerdem vier klassische Führungsstile genannt, die an Max Webers Herrschaftstypen angelehnt sind: patriarchalisch, charismatisch, autokratisch und bürokratisch.
- 5 Führungsstile: das Verhaltensgitter (Managerial Grid) von Robert R. Blake und Jane S. Mouton aus dem Jahr 1964. Es kombiniert Sachorientierung und Menschenorientierung auf je einer Skala von 1 bis 9 und beschreibt fünf typische Stile, vom Überlebensmanagement (1.1) bis zum Teammanagement (9.9).
- Kontinuum: Robert Tannenbaum und Warren H. Schmidt ordneten 1958 sieben Abstufungen zwischen autoritärer Entscheidung der Führungskraft und weitgehend eigenständiger Entscheidung der Gruppe auf einer Linie an. Das Modell macht sichtbar, dass zwischen den Polen von Lewin viele Zwischenstufen liegen.
Aufgabenorientierter und mitarbeiterorientierter Führungsstil
Die Ohio-State-Studien und die Michigan-Studien der späten 1940er und 1950er Jahre unterscheiden aufgabenorientiertes und mitarbeiterorientiertes Führungsverhalten. Aufgabenorientierung heißt, Ziele zu setzen und die Arbeit zu strukturieren und zu kontrollieren. Mitarbeiterorientierung heißt, Menschen wertzuschätzen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Die Michigan-Studien sahen beide zunächst als Gegenpole einer Skala. Die Ohio-State-Studien behandelten sie als unabhängige Dimensionen, die gleichzeitig hoch oder niedrig ausgeprägt sein können. Auf dieser Idee bauen das Verhaltensgitter von Blake und Mouton und das situative Modell von Hersey und Blanchard auf. William J. Reddin ergänzte in seinem 3-D-Modell die Effektivität als dritte Dimension: Derselbe Stil kann in einer Situation wirksam und in einer anderen unwirksam sein.
Erweiterte Führungsstil-Modelle
Die Führungsforschung hat das Bild differenziert:
Transaktionale Führung basiert auf klaren Vereinbarungen und Konsequenzen. Leistung wird belohnt, Abweichungen werden korrigiert. Dieser Stil schafft Orientierung und ist in stabilen, gut definierten Arbeitsumgebungen wirksam.
Transformationale Führung setzt auf intrinsische Motivation durch Vision, Inspiration und individuelle Förderung. Führungskräfte stellen persönliche Ziele in einen größeren Sinnzusammenhang und schaffen eine starke Teamidentität.
Coachender Führungsstil kombiniert Führung mit Entwicklungsbegleitung. Die Führungskraft stellt Fragen, fördert Reflexion und begleitet Mitarbeitende bei ihrer professionellen Entwicklung.
Situativer Ansatz
Reife Führungskräfte kombinieren verschiedene Stile. Das situative Führungsmodell nach Hersey und Blanchard empfiehlt, den Stil am Entwicklungsstand der Mitarbeitenden auszurichten:
| Entwicklungsstand | Passender Führungsstil |
|---|---|
| Geringe Kompetenz, hohe Motivation | Anweisen und erklären |
| Wachsende Kompetenz, schwankende Motivation | Coachen und überzeugen |
| Hohe Kompetenz, variable Motivation | Unterstützen und beteiligen |
| Hohe Kompetenz, hohe Motivation | Delegieren |
Führungsstil und Führungstechniken
Führungsstil und Führungstechnik werden im Alltag oft gleichgesetzt. Der Stil beschreibt die Grundhaltung, mit der eine Führungskraft entscheidet und mit Mitarbeitenden umgeht. Führungstechniken sind die Werkzeuge, mit denen sie diesen Stil umsetzt, etwa Management by Objectives (Führen über Zielvereinbarungen) oder Management by Delegation (Übertragen von Aufgaben samt Verantwortung). Wer kooperativ führen will, braucht dafür handwerkliche Grundlagen wie klare Ziele und eine saubere Delegation. Das Seminar Führungstechniken vermittelt diese Management-by-Methoden rund um Zielvereinbarung und Delegation praxisnah.
Eigene Stilpräferenz kennen
Führungsstilreflexion beginnt mit Selbstkenntnis. Wer seinen dominanten Stil und seine blinden Flecken kennt, kann gezielt an der Erweiterung seines Führungsrepertoires arbeiten. Besonders in Belastungssituationen fallen Führungskräfte in ihren dominanten Stil zurück, auch wenn er zur Situation nicht passt.