Cookie-Einstellungen

Mit Ihrer Einwilligung nutzen wir Statistik-Dienste (Umami, Google Analytics, Microsoft Clarity mit Sitzungsaufzeichnung), um die Website zu verbessern. Dabei können Daten in die USA übermittelt werden. Widerruf jederzeit über „Cookie-Einstellungen" im Footer. Datenschutzerklärung · Impressum

Einstellungen
fuehrung-und-leadership

Laterale Führung

Führung ohne disziplinarische Weisungsbefugnis: Einflussnahme durch Expertise, Vertrauen und Überzeugungskraft.

Laterale Führung bezeichnet die Fähigkeit, Menschen zu führen, ohne über formale Weisungsbefugnis zu verfügen. Sie gewinnt in Projektteams, Matrixorganisationen und bereichsübergreifenden Initiativen zunehmend an Bedeutung und ist für viele Fach- und Führungskräfte zur alltäglichen Anforderung geworden.

Definition und Bedeutung

„Lateral“ geht auf das lateinische Wort latus (Seite) zurück und bedeutet seitlich. Laterale Führung wirkt also zur Seite: auf Kolleg:innen der gleichen Ebene, auf andere Abteilungen oder auf Personen, die formal sogar höher stehen. Klassische Führung kann sich auf die Linienhierarchie stützen, also auf das Recht, Aufgaben zuzuweisen, zu beurteilen und Konsequenzen zu ziehen. Laterale Führung muss ohne diese Mittel auskommen. Ihr Ziel ist dasselbe: Menschen dazu zu bewegen, gemeinsam ein Ergebnis zu erreichen. Gleichbedeutend wird auch von lateralem Führen oder Führen ohne Vorgesetztenfunktion gesprochen.

Drei Säulen lateraler Führung

Das Modell von Stefan Kühl und Tobias Schnelle beschreibt drei Wirkmechanismen:

  1. Verständigung: Gemeinsame Ziele und Interessen herausarbeiten, Erwartungen transparent machen, Missverständnisse früh klären
  2. Vertrauen: Verlässlichkeit aufbauen, gegenseitige Erwartungen klären, konsistentes Verhalten über Zeit
  3. Macht: Informelle Einflussmöglichkeiten gezielt einsetzen: Expertise, Netzwerk, Informationsvorsprünge

Alle drei Säulen sind notwendig. Wer nur auf Vertrauen setzt, verliert bei Interessenskonflikten. Wer nur auf Macht setzt, schafft Widerstand.

Beispiele für laterale Führung

  • Projektleitung: Eine Projektleiterin braucht Zuarbeit aus IT, Einkauf und Fachabteilung. Die Beteiligten berichten an ihre eigenen Linienführungskräfte und haben dort andere Prioritäten.
  • Fachliche Führung: Ein Qualitätsexperte soll einen neuen Prüfstandard in mehreren Werken einführen, ohne dort Personalverantwortung zu haben.
  • Matrixorganisation: Eine Produktmanagerin steuert ein Produkt über Länder hinweg, während die Vertriebsteams disziplinarisch der jeweiligen Landesleitung unterstehen.
  • Stabsstelle: Das Controlling braucht pünktliche Zahlen aus allen Bereichen und muss dafür ohne Anweisungsrecht für Verbindlichkeit sorgen.

Typische Einsatzfelder

Projektleiter:innen, die Teammitglieder aus verschiedenen Abteilungen koordinieren, sind das klassische Beispiel für laterale Führung. Ebenso relevant ist die Kompetenz für:

  • Expert:innen, die fachliche Standards in der gesamten Organisation etablieren
  • Stabsstellen, die Linieneinheiten begleiten
  • Interne Berater:innen und Change-Manager:innen
  • Führungskräfte in Matrixorganisationen mit geteilter Führungsverantwortung

Laterale Führung in der Praxis: so gelingt sie

  1. Beteiligte klären: Wer wird für das Ergebnis gebraucht, und wer kann es blockieren?
  2. Interessen erkunden: Was ist der anderen Seite wichtig, welche Ziele und Kennzahlen hat sie in ihrer eigenen Linie?
  3. Gemeinsames Ziel formulieren: Das eigene Anliegen so beschreiben, dass es an die Interessen der anderen anschließt.
  4. Vereinbarungen festhalten: Wer liefert was bis wann? Schriftliche Absprachen schaffen Verbindlichkeit, die sonst die Hierarchie herstellen würde.
  5. Verlässlich bleiben und Eskalation gezielt nutzen: Zusagen einhalten, Erfolge teilen und die Linie erst einschalten, wenn der direkte Weg ausgeschöpft ist.

Laterale Kommunikation

Laterale Führung ist zum großen Teil Kommunikation auf Augenhöhe. Bitten wirken besser als Anweisungen, Fragen besser als Behauptungen. Wer erklärt, warum etwas gebraucht wird und was es der anderen Seite bringt, erhält eher Unterstützung. Konflikte lassen sich lateral selten aussitzen. Sie sollten früh und direkt angesprochen werden, bevor sie sich verfestigen. Wie Konflikte im Team strukturiert bearbeitet werden, behandelt das Seminar Teamkommunikation und Konfliktmanagement.

Schlüsselkompetenzen

Wer lateral führt, braucht ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, Verhandlungsgeschick und die Fähigkeit, Netzwerke aufzubauen. Fachliche Kompetenz und persönliche Glaubwürdigkeit ersetzen die fehlende hierarchische Autorität.

Ebenso wichtig ist ein gutes Gespür für Interessen: Wer versteht, was andere bewegt und wie die eigene Anfrage in deren Ziele passt, findet einfacher Kooperationsbereitschaft als jemand, der nur das eigene Projekt im Blick hat. Für Projektverantwortliche bietet das Seminar Projektmanagement in der Führung Ansätze aus lateraler Führung und situativem Leadership für die Führung von Projektteams.

Laterale Führung und klassische Führung

Laterale Führung erfordert mehr Investition in Beziehungen und Kommunikation als klassische Führung. Sie ist langsamer, dafür aber nachhaltiger: Lösungen, die gemeinsam erarbeitet werden, tragen die Beteiligten mit. Lösungen, die von oben durchgesetzt werden, oft nicht.

Bereit für den
nächsten Schritt?

Wir beraten Sie persönlich und finden das passende Seminar für Ihre Anforderungen.

Persönlich · Individuell · Praxisnah

SIAI

KI-gestützt · AWS Bedrock EU · Datenschutz
SIAI Assistent
Online · antwortet aus Portfolio & FAQ
KI-gestützt über AWS Bedrock EU · unverbindlich